Die mündliche Note belegbar machen

Die mündliche Note belegbar machen

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Die schriftliche Note liegt in der Mappe. Die mündliche liegt im Kopf. Genau deshalb ist sie die Note, die im Widerspruchsverfahren zuerst auseinandergenommen wird. Nicht weil sie unwichtig wäre, sondern weil sie sich am schlechtesten belegen lässt.

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Der Anteil, den die sonstige Mitarbeit an der Zeugnisnote hat, ist beträchtlich und in vielen Fächern der größere. Trotzdem entsteht sie in der Praxis oft am letzten Wochenende vor der Zeugniskonferenz aus einer Erinnerung an fünf Monate Unterricht. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beschreibung der Arbeitsbedingungen – nur ist es eben auch die Konstellation, in der eine Note angreifbar wird.

Was hilft, ist erstaunlich wenig: wenige Kriterien, kurze Notizen in einem festen Rhythmus, eine Zwischenrückmeldung. Der Aufwand liegt bei ein paar Minuten je Woche und Lerngruppe. Der Ertrag ist doppelt, denn dieselbe Dokumentation, die Deine Note trägt, ist auch das Wirksamste, was Du der Schülerin über ihre Entwicklung sagen kannst.

Warum ausgerechnet diese Note angegriffen wird

Im Widerspruchsverfahren wird eine Note nicht neu gebildet. Geprüft wird das Verfahren: Gab es einen Maßstab, war er bekannt, wurde er gleichmäßig angewandt, sind sachfremde Erwägungen eingeflossen? Bei einer Klassenarbeit lässt sich das an Aufgabenblatt, Erwartungshorizont und Korrektur zeigen. Bei der mündlichen Note gibt es dieses Material oft nicht.

Damit verschiebt sich die Lage. Nicht die Note ist das Problem, sondern die Antwort auf die Frage „woraus ergibt sich das?". Wer darauf mit einem Gesamteindruck antwortet, hat verloren, bevor es inhaltlich wird. Wer eine Liste mit Daten, Kriterien und kurzen Vermerken vorlegt, ist fertig, bevor es unangenehm wird.

Der zweite Grund ist die Nachvollziehbarkeit für die Lernenden selbst. Eine Drei in der schriftlichen Leistung erklärt sich aus den Punkten. Eine Drei in der Mitarbeit erklärt sich für viele nur als Wertung der Person. Dieser Eindruck ist der eigentliche Auslöser der meisten Beschwerden, nicht die Note.

Eine mündliche Note, die erst am Wochenende vor der Konferenz entsteht, ist keine Bewertung. Sie ist eine Rekonstruktion.

Was in die Mitarbeitsnote gehört und was nicht

Die wichtigste Trennung ist die zwischen Leistung und Verhalten. Bewertet wird der fachliche Beitrag zum Unterricht. Pünktlichkeit, Ordnung, Höflichkeit oder Materialvergessen gehören in die Rückmeldung zum Arbeits- und Sozialverhalten, nicht in die Fachnote. Wo sie hineinrutschen, entsteht eine Doppelbewertung, die in einem Widerspruch als sachfremde Erwägung angreifbar ist.

Die zweite Trennung ist die zwischen Menge und Güte. Häufiges Melden ist kein Kriterium, sondern eine Voraussetzung dafür, Beiträge überhaupt beobachten zu können. Eine Schülerin, die dreimal in der Stunde etwas Beliebiges sagt, liegt nicht über einer, die einmal den Knoten löst. Umgekehrt darfst Du eine Leistung nicht bewerten, die Du nie gesehen hast: Wer sich nie äußert, muss die Gelegenheit bekommen, den Beitrag anders zu zeigen – im Gruppenergebnis, in einer Präsentation, in einem Protokoll.

Der dritte Punkt ist Landesrecht. Ob Hausaufgaben eigenständig benotet werden dürfen, regeln die Länder unterschiedlich: Mehrere schließen eine Benotung ausdrücklich aus und lassen die Beobachtung nur mittelbar in die sonstige Mitarbeit einfließen, andere lassen eine Berücksichtigung im Rahmen der laufenden Bewertung zu. Was in Deinem Land gilt, steht im einschlägigen Erlass oder in der Notenbildungsverordnung – nicht in der Fortbildungsunterlage aus dem Nachbarland.

Was in die Mitarbeitsnote gehört und was nicht — Die mündliche Note belegbar machen

Ein Raster mit vier Kriterien

Beobachtungsraster scheitern an ihrer Größe. Zwölf Kriterien werden zwei Wochen lang geführt. Vier werden ein Halbjahr lang geführt, weil sie sich im laufenden Unterricht nebenbei ausfüllen lassen.

KriteriumWoran Du es festmachst
Fachliche RichtigkeitDer Beitrag ist sachlich haltbar und benutzt die Fachsprache des Themas
AnspruchsniveauWiedergabe, Anwendung oder Übertragung auf einen neuen Fall
Bezug zum GesprächDer Beitrag knüpft an das Gesagte an, statt ein eigenes Thema zu eröffnen
Beitrag zur GruppenarbeitErgebnis der Gruppe, erkennbarer eigener Anteil, Präsentation

Vier Kriterien reichen aus, weil sie unterschiedliche Dinge messen. Ein fünftes, das „Beteiligung" heißt, misst nichts Eigenes und zieht die Note still in Richtung Menge.

Notieren, ohne den Unterricht anzuhalten

Bewährt hat sich eine Kurzskala mit drei Stufen und ein Datum, mehr nicht. Ein Zeichen für „über Erwartung", eines für „erwartungsgemäß", eines für „darunter". Wer versucht, im Unterricht Sätze zu schreiben, hört auf zu unterrichten. Zwei Minuten nach der Stunde reichen für die Handvoll Einträge, die eine Stunde wirklich hergibt. Mehr als eine Handvoll ist ohnehin nicht beobachtbar.

Der Rhythmus, der die Note trägt

Nicht die Menge der Notizen entscheidet, sondern ihre Verteilung über das Halbjahr. Eine Note, die auf Einträgen aus zwei Wochen im November beruht, ist genauso schwach wie gar keine.

  • Ein fester Termin je Woche für die Nachbereitung einer Lerngruppe. Nicht jede Stunde, nicht jede Schülerin, aber jede Woche etwas.
  • Ein Vollständigkeitsblick alle vier bis sechs Wochen. Wer taucht nicht auf? Das sind fast immer die Stillen – also genau die Fälle, in denen die Note später bestritten wird.
  • Eine Zwischenrückmeldung zur Mitte des Halbjahres, mündlich und in zwei Sätzen: Wo stehst Du gerade, was würde die Note verbessern.

Ein Wort zur Skala: Drei Stufen genügen, weil sie das abbilden, was im laufenden Unterricht überhaupt sicher unterscheidbar ist. Wer sechs Stufen notiert, tut so, als hätte er im Vorbeigehen eine Note vergeben. Er produziert damit eine Genauigkeit, die er später nicht begründen kann. Aus vielen Dreistufen-Einträgen über ein Halbjahr entsteht ein deutlich belastbareres Bild als aus wenigen scheinbar präzisen Einzelnoten. Am Ende steht ohnehin eine Gesamtwürdigung, keine Addition.

Die Zwischenrückmeldung ist der Punkt, an dem sich Aufwand und Wirkung am weitesten auseinanderziehen. Sie kostet je Lerngruppe eine Unterrichtsstunde im Halbjahr und nimmt der Zeugnisnote ihre Überraschung. Eine Note, die angekündigt war und gegen die eine Schülerin acht Wochen lang etwas tun konnte, wird selten angegriffen. Wie eine schlechte Nachricht überbracht wird, wenn es doch dazu kommt, ist eine eigene Frage der Gesprächsführung.

Der Rhythmus, der die Note trägt — Die mündliche Note belegbar machen

Wo die Notizen liegen dürfen

Beobachtungen zu einzelnen Lernenden sind personenbezogene Daten. Damit gelten dieselben Grundsätze wie für jede andere Schülerinformation: Zweckbindung, Zugriffsschutz, Löschung, wenn der Zweck erfüllt ist.

Drei Regeln decken den Alltag ab:

  • Keine Synchronisation in ein privates Konto. Eine Notizen-App, die still in eine private Cloud spiegelt, verlässt den Verantwortungsbereich der Schule, ohne dass es jemand merkt.
  • Kein Familienzugriff auf das Gerät, auf dem die Einträge liegen – der häufigste reale Abflussweg, nicht der Hackerangriff.
  • Löschen nach der Zeugniskonferenz, sobald die Note gebildet und dokumentiert ist. Was Du für ein laufendes Widerspruchsverfahren brauchst, hebst Du gezielt auf, nicht pauschal alles.

Ob private Geräte im Dienst überhaupt zulässig sind und unter welchen Auflagen, ist ebenfalls Landesrecht und reicht von ausdrücklich geregelt bis untersagt – das ist die Frage, die vor der Wahl des Werkzeugs steht. Wenn die Einträge dagegen ohnehin dort liegen sollen, wo später die Zeugnisnote gebildet wird, ist die Tabellenkalkulation der falsche Ort dafür; die Gründe stehen unter Notenverwaltung ohne Excel.

Vier Kriterien, ein fester Termin je Woche, ein Vollständigkeitsblick alle vier bis sechs Wochen, eine Zwischenrückmeldung zur Halbzeit. Das ist die gesamte Mechanik. Wenn Du nur eine Sache einführst, dann den Vollständigkeitsblick: Er findet die Lernenden, über die Du nichts notiert hast. Das sind dieselben, deren Note später bestritten wird.

Schulalltag ohne doppelte Listen?

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