Das Medienkonzept jenseits der Geräteliste

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Ein Medienkonzept besteht aus drei Teilen: Unterrichtsentwicklung, Fortbildungsplanung und Ausstattung. Geschrieben wird in der Praxis fast immer der dritte, weil an ihm das Geld hängt. Über die Wirkung entscheiden aber die beiden anderen.

Schulalltag ohne doppelte Listen?

Vertretungsplan, Klassenbuch, Krankmeldungen, Elternnachrichten und Zeugnisse in einem System. Vom Stundenplan bis zum Zeugnis, ohne doppelte Erfassung.

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Was ein Medienkonzept enthalten muss, ist Landessache. Einige Länder verlangen es ausdrücklich als Bestandteil des Schulprogramms, andere knüpfen es an Förderanträge, wieder andere lassen die Form weitgehend offen. Die Gliederung selbst sieht trotzdem fast überall gleich aus, weil sie auf den gemeinsamen Rahmen der Länder zur Bildung in der digitalen Welt zurückgeht: Unterricht, Qualifizierung, Ausstattung.

Die Gliederung findest Du also ohne diesen Artikel. Was Du brauchst, ist die Antwort auf eine andere Frage: Was muss in den ersten beiden Teilen tatsächlich stehen, damit sie mehr sind als eine Absichtserklärung vor der Geräteliste? Denn genau daran entscheidet sich, ob die Geräte drei Jahre später noch im Unterricht auftauchen oder im Schrank stehen.

Warum das Konzept fast immer hinten anfängt

Der Anlass, ein Medienkonzept zu schreiben, ist selten pädagogisch. In aller Regel steht ein Antrag im Raum. Der Antrag hat eine Frist. Der Ablauf ist dabei überall ähnlich gebaut, auch wenn die Programme wechseln: Die Schule beschreibt ihren Bedarf, der Antrag läuft über den Schulträger, bewilligt wird auf Landesebene. Förderfähig ist typischerweise die Infrastruktur und die Ausstattung – Verkabelung, Netz, Geräte –, nicht der laufende Betrieb, nicht der Ersatz nach vier Jahren und nicht die Arbeitszeit, die beides kostet.

Damit ist der Anreiz gesetzt. Wer eine Frist hat und weiß, dass nur der dritte Teil Geld auslöst, schreibt den dritten Teil. Die beiden anderen entstehen als Vorspann mit allgemeinen Sätzen über Medienkompetenz. Niemand liest sie je wieder.

Die Reihenfolge, die trägt

Es gibt eine Abfolge, die das Konzept vom Kopf auf die Füße stellt. Sie besteht aus drei Fragen in genau dieser Reihenfolge:

  1. Was sollen die Schülerinnen und Schüler am Ende einer bestimmten Jahrgangsstufe können? Nicht am Ende der Schulzeit – das ist zu weit weg, um etwas zu entscheiden.
  2. Was muss das Kollegium dafür können? Und wer kann es heute schon?
  3. Welche Ausstattung folgt daraus? Erst hier fällt das Wort Gerät.

Diese Reihenfolge kostet nichts außer einer Konferenz. Sie ändert aber, wofür Du am Ende Geld beantragst. Sie ist außerdem die einzige Begründung, die vor dem Schulträger trägt, wenn er fragt, warum es diese Geräte sein müssen.

Der Ausstattungsteil ist der einzige, der Geld auslöst. Er ist auch der einzige, der ohne die beiden anderen wertlos ist.

Teil eins: Unterrichtsentwicklung

Der erste Teil beantwortet, welche Kompetenzen wo im Unterricht erworben werden. Die meisten Landesrahmen arbeiten dabei mit denselben sechs Bereichen. Der Fehler, der hier fast immer passiert: Die Bereiche werden abgeschrieben und danach niemandem zugeordnet. Ein Kompetenzbereich, für den kein Fach und keine Jahrgangsstufe benannt ist, wird von niemandem unterrichtet.

Die Verteilung ist Arbeit für die Fachkonferenzen, nicht für die Schulleitung. Was die Schulleitung liefert, ist das Raster und die Frist. Was zurückkommt, sieht ungefähr so aus:

KompetenzbereichBeispiel einer Verankerung
Suchen, Verarbeiten und AufbewahrenJahrgang 5, Deutsch und Erdkunde: Quellen vergleichen, die Herkunft einer Information prüfen
Kommunizieren und KooperierenJahrgang 6, Klassenleitungsstunde: Regeln für Klassenchats, gemeinsam an einem Dokument arbeiten
Produzieren und PräsentierenJahrgang 7, Musik und Kunst: eine Tonaufnahme schneiden, Quellen einer Bildmontage angeben
Schützen und sicher AgierenJahrgang 7, Politik: Passwörter, Datenspuren, was der Widerruf einer Einwilligung bewirkt
Problemlösen und HandelnJahrgang 8, Mathematik und Technik: Tabellenkalkulation, ein Problem in Schritte zerlegen
Analysieren und ReflektierenJahrgang 9, Deutsch und Ethik: Empfehlungssysteme, Werbung und Meinungsbildung

Vier Eigenschaften machen so eine Tabelle brauchbar: Jede Zeile nennt ein Fach, eine Jahrgangsstufe, eine Tätigkeit und einen Zeitpunkt im Schuljahr. Fehlt eine davon, ist die Zeile eine Absichtserklärung. Und sie darf ausdrücklich unvollständig sein – sechs belastbare Zeilen sind mehr wert als eine vollständige Matrix, die niemand beschlossen hat.

Teil eins: Unterrichtsentwicklung — Das Medienkonzept jenseits der Geräteliste

Teil zwei: die Qualifizierung, die daraus folgt

Der zweite Teil ist die Stelle, an der ein Medienkonzept ehrlich wird. Er zählt nicht auf, welche Fortbildungen es gibt, sondern welche das Kollegium braucht, um den ersten Teil zu unterrichten. Damit ist er automatisch eine Aussage darüber, was heute noch nicht geht. Deshalb wird er so gern allgemein formuliert.

Zwei Größen gehören hinein und sonst wenig:

  • Der Bedarf je Kompetenzbereich. Wer unterrichtet Jahrgang 7 im nächsten Schuljahr? Wer davon traut sich die Tonaufnahme zu?
  • Die Form. Schulintern in der Gruppe, extern beim Landesinstitut, kollegiale Hospitation oder eine kurze Einheit in der Fachkonferenz.

Ob das Kollegium überhaupt zur Fortbildung verpflichtet ist und in welchem Umfang, regelt das jeweilige Landesrecht sehr unterschiedlich: Manche Länder formulieren eine allgemeine Pflicht ohne Stundenmaß, andere nennen eine Zahl, wieder andere überlassen die Ausgestaltung der Schule. Verlass Dich deshalb nicht auf eine Zahl aus einem Ratgeber, sondern auf den Text Deines Landes. Wie aus dieser Liste ein Jahresplan wird, der im Februar noch stimmt, steht in Fortbildungsplanung an der Schule.

Teil drei: Ausstattung als Konsequenz

Wenn die ersten beiden Teile stehen, schreibt sich der dritte fast von selbst. Er fällt sogar kürzer aus, als er ohne sie ausgefallen wäre. Statt einer Wunschliste entsteht eine Ableitung: Jahrgang 7 nimmt Ton auf, also braucht es Mikrofone und einen Raum, in dem man leise sein kann. Jahrgang 8 arbeitet mit Tabellen, also braucht es Geräte mit Tastatur.

Zwei Positionen fehlen in fast jedem Ausstattungsteil, weil sie nicht förderfähig sind. Genau deshalb müssen sie darin stehen:

  • Die Folgekosten. Ersatzgeräte, Reparaturen, Versicherung, Lizenzen, Ladeinfrastruktur. Sie treffen den Haushalt des Schulträgers und nicht das Förderprogramm.
  • Die Arbeitszeit. Wer richtet ein, wer verteilt, wer nimmt zurück, wer meldet einen Defekt. Das ist keine Nebenfrage, sondern der häufigste Grund, warum vorhandene Geräte nicht benutzt werden.

Welches Gerätemodell sinnvoll ist, hängt dabei an einer einzigen Vorentscheidung: persönliches Gerät oder geteiltes Gerät. Die drei üblichen Modelle mit ihren echten Folgekosten stehen in Tabletklasse, BYOD oder Koffer.

Teil drei: Ausstattung als Konsequenz — Das Medienkonzept jenseits der Geräteliste

Fortschreiben statt fertigstellen

Ein Medienkonzept mit einer Endfassung ist ein Medienkonzept, das ab dem Tag der Beschlussfassung altert. Was es stattdessen braucht, ist ein Datum: Wann wird es das nächste Mal angefasst, von wem und woran wird gemessen?

Eine Fassung, die trägt, enthält am Ende vier Zeilen: das Datum der Beschlussfassung durch die Schulkonferenz, das Datum der nächsten Fortschreibung, die verantwortliche Person und die drei Punkte, die bis dahin erledigt sein sollen. Mehr nicht. Ein Jahresrhythmus reicht in der Regel, solange die Fortschreibung ein Termin im Schuljahreskalender ist und kein Vorsatz.

Nützlich ist außerdem, im Konzept festzuhalten, wo die Dinge liegen, die es beschreibt: der Aufsichtsplan, die Raumbelegung, die Einwilligungen, die Vertretungsregelung. Ein Konzept, das auf verstreute Listen verweist, wird nicht fortgeschrieben, weil niemand sie alle findet. Wie sich diese Flächen an einer Stelle bündeln lassen, zeigt die Übersicht der Schulplattform.

Drei Teile. Der dritte ist der leichteste, sobald die ersten beiden stehen. Wenn Du an Deinem Medienkonzept nur eine Sache änderst, dann schreib in den ersten Teil sechs Zeilen mit Fach, Jahrgang, Tätigkeit und Zeitpunkt. Und setz unter den Schluss ein Fortschreibungsdatum mit einem Namen daneben – alles andere folgt daraus.

Schulalltag ohne doppelte Listen?

Vertretungsplan, Klassenbuch, Krankmeldungen, Elternnachrichten und Zeugnisse in einem System. Vom Stundenplan bis zum Zeugnis, ohne doppelte Erfassung.